Sagen Sie mal, Adam ...

Interviews mit Verstorbenen? Nein, dies ist kein esoterisches Projekt, das auf medialen  Wegen Kontakt mit Toten aufnimmt. Die Interviews mit biblischen Persönlichkeiten sind lediglich ein Griff in die journalistische Trick-Kiste. Entstanden ist die Idee aus dem Bedauern darüber, dass die Bibel seltsam langweilig und antiquiert wirkt, sobald sie auf herkömmliche Weise in den Kirchen nacherzählt, gepredigt und verkündigt wird. Dafür mag es mehrere Gründe geben. Vielleicht sind die vielen unmoralischen und anstößigen Geschichten der Bibel zu unbequem für die Verkündigung eines reinen, vorbildhaften  Glaubens? Fest steht: In wohl keinem Buch der Welt finden sich so viele niedere Triebe neben geistlichen Tiefen, so viele hasserfüllte Morde neben romantischen Liebesgeschichten, so viel Sündenmacht neben Glaubensmut. Die Bibel spiegelt in einmaliger Weise die ganze Bandbreite der menschlichen Stärken und Schwächen. Dies macht ihren Reiz aus, nicht nur im "Jahr der Bibel", das die!
Kirchen regelmäßig ausrufen. Nicht weil sie heilig ist, gehört sie ins Bücherregal (oder besser: auf den Nacht- und Wohnzimmertisch), sondern weil ihr nichts fremd ist von dem, was Menschen im 21. Jahrhundert denken und tun, glauben, hoffen und befürchten. Und weil sie millionenfach bewährte Lösungswege anbietet, mit den eigenen Unzulänglichkeiten ins Reine zu kommen. Wer die Bibel unvoreingenommen und mit den eigenen Lebensfrage im Hinterkopf liest, wird spüren: Hier geht es nicht um einen abstrakten Gott, dessen Wirken sich in Geboten und Dogmen erschöpft. Hier geht es um einen Gott, der die Ängste und Freuden, die Zweifel und den Glauben des einzelnen Menschen kennt und ernst nimmt.

Fenster schliessen